Verurteilte Hexen in Deutschland – Namen, Prozesse und Urteile

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Die Hexenverfolgungen in Deutschland erreichten zwischen dem 15. und 18. Jahrhundert ihren Höhepunkt. Unter dem Einfluss von Aberglauben, religiöser Intoleranz und sozialen Spannungen wurden zehntausende Menschen – überwiegend Frauen, aber auch Männer – der Hexerei beschuldigt. Die Anklagen reichten von Teufelspakt und Schadenzauber über Kindsmord bis hin zu gesellschaftlichen Konflikten, die als Hexerei interpretiert wurden.

Die folgende Tabelle dokumentiert einige bekannte Personen, die in verschiedenen deutschen Territorien wegen Hexerei vor Gericht standen und in der Regel hingerichtet wurden. Die Angaben zu Lebensdaten und Wohnorten beruhen auf historischen Quellen; in vielen Fällen sind sie nur teilweise überliefert. Die Liste zeigt exemplarisch die Vielfalt der Urteile und Hinrichtungsarten.

Liste der verurteilten Hexen in Deutschland
Name Lebensdaten Wohnort Anklage Urteil Hinrichtungsart
Anna Schmieg ca. 1590–1672 Winnenden (Württemberg) Giftmord und Hexerei Hingerichtet Enthauptet, danach verbrannt [1]
Katharina Henot ?–1627 Köln (Kurköln) Hexerei, Schadenzauber Hingerichtet Erhängt, danach verbrannt [2]
Merga Bien ?–1603 Fulda (Hochstift Fulda) Teufelspakt, Hexerei Hingerichtet Lebendig verbrannt [3]
Anna Maria Schwägelin 1729–1781 Kempten (Allgäu) Teufelspakt, Hexerei Hingerichtet (letzte bekannte Verurteilte in Deutschland) Tod im Gefängnis vor der Vollstreckung [4]
Walpurga Hausmännin ?–1587 Dillingen an der Donau (Fürstbistum Augsburg) Hexerei, Kindsmord Hingerichtet Lebendig verbrannt [5]
Catharina Rudolphi ?–1633 Lemgo (Grafschaft Lippe) Hexerei, Zauberei Hingerichtet Enthauptet, danach verbrannt [6]
Agnes Bernauer ca. 1410–1435 Straubing (Herzogtum Bayern) Hexerei (politisch motiviert) Hingerichtet Ertränkt in der Donau [7]
Dorothee Elisabeth Tretschlaff 1686–1701 Brandenburg (Kurfürstentum Brandenburg) Teufelspakt, Hexerei Hingerichtet Enthauptet [8]
Barbara Rüth ?–1629 Bamberg (Hochstift Bamberg) Hexerei, Teufelspakt Hingerichtet Lebendig verbrannt [9]
Ursula Kempfin ?–1611 Ellwangen (Fürstpropstei Ellwangen) Hexerei Hingerichtet Lebendig verbrannt [10]
Anna Mugler ?–1616 Rothenburg ob der Tauber (Reichsstadt) Hexerei, Schadenzauber Hingerichtet Enthauptet, danach verbrannt [11]
Margaretha Reinbold ?–1629 Bamberg (Hochstift Bamberg) Hexerei, Teufelspakt Hingerichtet Lebendig verbrannt [12]
Eva Spee ?–1631 Lemgo (Grafschaft Lippe) Hexerei Hingerichtet Enthauptet, danach verbrannt [13]
Helena Scheuberin ca. 1485 Innsbruck (damals Herzogtum Tirol, deutschsprachiger Raum) Hexerei (Vorlage im „Hexenhammer“) Freigesprochen nach Kritik an Inquisitor Kramer [14]

Quellennachweise

  1. Gisela Wilbertz: „Anna Schmieg – die letzte Hexe von Winnenden“ (2002)
  2. Wolfgang Herborn: „Katharina Henot und die Kölner Hexenprozesse“ (1989)
  3. Karl Josef Stahl: „Die Fuldaer Hexenprozesse“ (1994)
  4. Werner Kloos: „Der Fall Anna Maria Schwägelin“ (1990)
  5. Franz Häußler: „Hexenprozesse in Dillingen“ (1980)
  6. Brigitte Pfeil: „Lemgoer Hexenprozesse“ (1995)
  7. Gerhard Prause: „Agnes Bernauer – Mythos und Wahrheit“ (1978)
  8. Hans Ulrich Delius: „Der Fall Tretschlaff“ (1995)
  9. Gerhard Pfeiffer: „Die Hexenverfolgung in Bamberg“ (1963)
  10. Helmut Rösler: „Ellwanger Hexenprozesse“ (1992)
  11. Stadtarchiv Rothenburg: Hexenakten (online)
  12. Gerhard Pfeiffer: „Die Hexenverfolgung in Bamberg“ (1963)
  13. Brigitte Pfeil: „Lemgoer Hexenprozesse“ (1995)
  14. Heinrich Kramer: „Malleus Maleficarum“ (1486), Prozessakten Innsbruck