Vulkangruppe

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Als Vulkangruppe wird eine linke Gruppierung bezeichnet, die seit 2011 durch Bekennerschreiben zu Brand- und Sabotageakten an kritischer Infrastruktur in Deutschland in Erscheinung tritt. Der Name ist keine nachweislich fest etablierte Organisationsbezeichnung, sondern wird in Selbstzuschreibungen verwendet, die nach Anschlägen veröffentlicht werden. Die Gruppe ist vor allem im Raum Berlin und Brandenburg aktiv geworden und richtet ihre Aktionen gegen Stromversorgung, Kommunikationsnetze und industrielle Anlagen. Öffentliche Aufmerksamkeit erlangte die Vulkangruppe wiederholt durch großflächige Stromausfälle, die erhebliche Auswirkungen auf Haushalte, Verkehr und Wirtschaft hatten. [1]

Entstehung und Selbstverständnis

Die ersten bekannten Bekennerschreiben der Vulkangruppe datieren aus dem Jahr 2011. In diesen Texten wird der Name bewusst metaphorisch verwendet und häufig mit Begriffen aus der Vulkanologie kombiniert. Wiederkehrend tauchen Bezeichnungen realer Vulkane oder vulkanischer Prozesse auf, was von Beobachtern als symbolischer Ausdruck plötzlicher, zerstörerischer Interventionen verstanden wird. Eine formale Gründung, ein Manifest oder eine feste Mitgliedschaft sind nicht bekannt. Medien und Sicherheitsbehörden gehen davon aus, dass es sich um eine lose Struktur handelt, möglicherweise bestehend aus mehreren autonomen Zellen oder einem kleinen, wechselnden Personenkreis. [2]

Inhaltlich richten sich die Erklärungen gegen kapitalistische Wirtschaftsformen, technologische Großprojekte und staatliche Energiepolitik. Die Texte sind polemisch, aber überwiegend erklärend formuliert und betonen den Anspruch, symbolische Eingriffe in als verwundbar wahrgenommene Systeme vorzunehmen. Die Gruppe weist wiederholt externe Steuerung oder staatliche Einflussnahme zurück und stellt ihre Aktionen als eigenständigen politischen Aktivismus dar. [3]

Anschläge und bekannte Aktionen

Der Vulkangruppe werden seit 2011 mindestens elf Sabotage- und Brandanschläge zugerechnet (Stand: Januar 2026). Zu den frühesten bekannten Taten zählt ein Brandanschlag auf Anlagen der Deutschen Bahn in Berlin, der den Zugverkehr erheblich beeinträchtigte. In den folgenden Jahren verlagerte sich der Schwerpunkt zunehmend auf die Energieversorgung. Wiederholt wurden Kabelschächte, Strommasten oder Umspannwerke beschädigt, was zu stundenlangen Stromausfällen führte. [4]

Besondere mediale Aufmerksamkeit erhielten Anschläge in den Jahren 2018, 2024 und 2026, bei denen zehntausende Haushalte zeitweise ohne Strom waren. Im Januar 2026 kam es in Berlin erneut zu einem großflächigen Ausfall, nachdem ein Brand an zentralen Stromleitungen gelegt worden war. Kurz darauf erschien ein Bekennerschreiben, in dem die Tat der Vulkangruppe zugeschrieben wurde. [5]

Auch internationale Medien griffen diese Ereignisse auf und berichteten über den politischen Kontext der Anschläge. [6]

Ziele und Motive

Aus den Bekennerschreiben lässt sich kein einheitliches, systematisch ausgearbeitetes Programm ableiten. Wiederkehrend sind jedoch Motive wie die Ablehnung industrieller Großprojekte, Kritik an Energieunternehmen und die Vorstellung, dass moderne Gesellschaften durch zentrale Infrastrukturen besonders störanfällig seien. Die Aktionen werden als gezielte Eingriffe verstanden, die Aufmerksamkeit erzeugen und Debatten auslösen sollen, ohne sich als Massenbewegung zu präsentieren.

Insbesondere die Sabotage von Stromversorgung wird von der Gruppe als politisches Mittel dargestellt, um Abhängigkeiten sichtbar zu machen. Gleichzeitig betont sie, keine Menschen schädigen zu wollen, sondern ausschließlich technische Anlagen ins Visier zu nehmen. Diese Selbstdarstellung steht im Spannungsfeld zur tatsächlichen Gefährdungslage, da Ausfälle von Strom und Kommunikation auch indirekte Risiken für Bevölkerung und öffentliche Sicherheit mit sich bringen. [7]

Öffentliche Wahrnehmung und Einordnung

In der öffentlichen Debatte wird die Vulkangruppe meist als linke Gruppierung oder Teil des autonomen Spektrums beschrieben. Medienberichte schwanken zwischen der Darstellung als politisch motivierter Sabotageakteur und der Einordnung als Sicherheitsrisiko für kritische Infrastruktur. Sicherheitsbehörden betonen vor allem die technische Professionalität einzelner Anschläge und die Schwierigkeit, die Urheber eindeutig zu identifizieren.

Gleichzeitig bleibt offen, ob es sich dauerhaft um denselben Akteurskreis handelt oder um eine Bezeichnung, die von unterschiedlichen Personen aufgegriffen wird. Diese Unschärfe trägt dazu bei, dass die Vulkangruppe weniger als klassische Organisation wahrgenommen wird, sondern eher als wiederkehrendes Label für eine bestimmte Form politischer Aktion im urbanen Raum. [8]

Quellennachweise