Warum sieht man Winkelspinnen im Herbst so oft im Haus?
Winkelspinnen (Eratigena), in Mitteleuropa oft als Hausspinnen bezeichnet, gehören zu den häufigsten Spinnenarten in Gebäuden. Besonders im Herbst fällt auf, dass sie verstärkt in Wohnräumen sichtbar werden. Dieses Phänomen ist seit langem bekannt und lässt sich auf mehrere biologische und ökologische Faktoren zurückführen.
Lebensweise und Aktivität im Jahresverlauf
Die Winkelspinne (Tegenaria- oder Eratigena-Arten) lebt ganzjährig in und an Gebäuden. Sie bevorzugt dunkle, geschützte Orte wie Keller, Garagen, Holzlager oder unbeheizte Räume. Ihr Netz ist trichterförmig aufgebaut und dient als Rückzugsort. Anders als viele kleinere Spinnenarten bleibt die Winkelspinne stationär in ihrem Netz und verlässt es nur selten. Weibchen verlassen das Netz nur bei Störungen oder wenn Beute ins Netz gerät. Männchen hingegen wandern im Herbst auf der Suche nach Paarungspartnerinnen durch Wohnräume. Im Frühjahr schlüpfen die Jungtiere, die sich zunächst im Verborgenen entwickeln. Über den Sommer wachsen die Tiere heran, wobei vor allem die Männchen ihre endgültige Größe erst im Spätsommer erreichen. Erst dann werden sie aktiver und verlassen ihre Verstecke häufiger, was ihre Sichtbarkeit für den Menschen erhöht.

Paarungszeit und Fortpflanzung
Der Hauptgrund für die verstärkte Sichtbarkeit im Herbst ist die Fortpflanzungsphase. Vor allem die Männchen begeben sich in dieser Zeit auf die Suche nach geschlechtsreifen Weibchen. Dabei durchstreifen sie Wohnräume und werden häufig an Wänden, in Badewannen oder auf Fußböden entdeckt. Dieser wandernde Lebensabschnitt dauert meist nur wenige Wochen, doch reicht er aus, um den Eindruck einer plötzlichen „Spinneninvasion“ zu erwecken. Tatsächlich sind die Tiere das ganze Jahr über vorhanden, lediglich ihr Bewegungsverhalten ändert sich in dieser Zeit.
Einfluss von Temperatur und Witterung
Ein weiterer Faktor ist die Witterung. Mit sinkenden Außentemperaturen suchen viele Insekten Unterschlupf in Gebäuden. Damit steigt auch das Nahrungsangebot für die Spinnen. Gleichzeitig sind Wohnräume relativ warm und trocken, was die Überlebenschancen der Tiere erhöht. Winkelspinnen sind zwar keine klassischen „Herbstwanderer“, profitieren jedoch von den stabilen Bedingungen im Haus. Da die Männchen ohnehin unterwegs sind, fällt ihre Anwesenheit in Innenräumen in dieser Jahreszeit besonders stark auf.
Wahrnehmung durch den Menschen
Die erhöhte Sichtbarkeit im Herbst ist also kein Hinweis auf eine plötzliche Zunahme der Spinnenpopulation, sondern auf den saisonalen Wechsel im Verhalten, insbesondere bei den Männchen. Viele Tiere sterben nach der Paarungszeit, während die Weibchen überwintern können und im folgenden Jahr erneut aktiv werden. Die menschliche Wahrnehmung verstärkt den Eindruck: Dunkle Abende, geschlossene Fenster und mehr Zeit in den Wohnräumen führen dazu, dass Begegnungen mit Spinnen häufiger registriert werden. Biologisch gesehen handelt es sich um ein wiederkehrendes, gut erklärbares Muster im Lebenszyklus der Tiere.
Tipps zum Umgang mit Winkelspinnen im Haus
- Zugang reduzieren: Fenster und Türen mit Dichtungen versehen, kleine Ritzen abdichten.
- Wohnräume aufgeräumt halten: Winkelspinnen bevorzugen ungestörte Ecken; weniger Verstecke verringern die Zahl der Tiere.
- Beleuchtung steuern: Außenlichter reduzieren, da sie Insekten anziehen, die wiederum Spinnen ins Haus locken.
- Beutequellen verringern: Offene Lebensmittel oder stehende Wasserquellen können kleine Insekten anziehen; deren Reduzierung senkt indirekt die Spinnenaktivität.
- Sanfte Entfernung: Spinnen können vorsichtig mit einem Glas und Papier umgesetzt werden, ohne sie zu töten.
Chemische und natürliche Abwehr
- Chemische Mittel: Spinnen-Sprays mit Pyrethroiden oder ähnlichen Nervengiften wirken bei direktem Kontakt. Langzeitprodukte wie Staub oder Aerosole können in Ecken ausgebracht werden, töten jedoch nur beim Kontakt und bieten keine dauerhafte Lösung. Die Verwendung sollte sparsam erfolgen, da chemische Mittel für Menschen und Haustiere giftig sein können.
- Natürliche Abwehrstoffe: Zedernholz, ätherische Öle (Pfefferminze, Eukalyptus) oder Essig können Winkelspinnen abwehren, ohne sie zu töten. Sie wirken vor allem vorbeugend, indem sie bestimmte Bereiche für die Tiere unattraktiv machen.
- Biologische Kontrolle: In Innenräumen kaum praktikabel. Manche Raubspinnen oder Ameisen fressen Winkelspinnen, dies ist für Wohnräume jedoch keine sinnvolle Maßnahme.
Diese Methoden können die Präsenz der Spinnen verringern, am effektivsten ist jedoch die gezielte Vorbeugung und das Abdichten möglicher Zugänge.