Zöliakie
Zöliakie ist eine chronische, immunvermittelte Erkrankung des Dünndarms, die durch eine lebenslange Unverträglichkeit gegenüber dem Getreideprotein Gluten ausgelöst wird. Betroffen sind Menschen mit einer genetischen Veranlagung, insbesondere Träger der HLA-Merkmale DQ2 oder DQ8. Die Aufnahme von Gluten führt bei Erkrankten zu einer fehlgeleiteten Immunreaktion, die die Schleimhaut des Dünndarms schädigt. Charakteristisch ist eine Entzündung der Darmschleimhaut mit teilweisem oder vollständigem Verlust der Dünndarmzotten (Zottenatrophie), was die Aufnahme von Nährstoffen erheblich beeinträchtigt.
Die Häufigkeit der Zöliakie wird in Europa auf etwa 0,5 bis 1 % der Bevölkerung geschätzt, wobei ein erheblicher Anteil der Betroffenen nicht diagnostiziert ist. Die Erkrankung kann in jedem Alter auftreten und zeigt sich in sehr unterschiedlichen Verlaufsformen – von stark ausgeprägten Symptomen bis zu weitgehend asymptomatischen Verläufen. Unbehandelt kann Zöliakie zu Mangelernährung, Wachstumsstörungen, Osteoporose und einem erhöhten Risiko für bestimmte Krebserkrankungen führen.
Ursachen und Pathophysiologie
Die Zöliakie entsteht durch eine fehlgesteuerte Immunantwort auf bestimmte Bestandteile des Glutens, vor allem Gliadin. Nach Kontakt mit Glutenfragmenten werden im Dünndarm bei genetisch prädisponierten Personen spezifische T-Zellen aktiviert. Dies führt zu einer Entzündungsreaktion, die von Autoantikörpern wie Anti-Transglutaminase- und Anti-Endomysium-Antikörpern begleitet wird. Die chronische Entzündung schädigt die Darmschleimhaut, was zur Abflachung oder vollständigen Atrophie der Zotten führt. Durch die verringerte Oberfläche verschlechtert sich die Nährstoffaufnahme. Die genauen Auslöser für das erstmalige Auftreten sind nicht vollständig geklärt, doch spielen neben genetischen Faktoren auch Umweltfaktoren, Infektionen und die Zusammensetzung der Darmflora eine Rolle.
Symptome
Das klinische Bild der Zöliakie ist variabel. Klassische Symptome sind chronischer Durchfall, Gewichtsverlust, Blähungen, Bauchschmerzen und ausgeprägte Müdigkeit. Bei Kindern können Wachstumsverzögerungen, Gedeihstörungen und verzögerte Pubertätsentwicklung auftreten. Erwachsene zeigen oft unspezifische Beschwerden, etwa Eisenmangelanämie, Osteoporose, depressive Verstimmungen oder neurologische Symptome wie periphere Neuropathie. Auch Hautmanifestationen wie die Dermatitis herpetiformis Duhring können auftreten. Da die Symptome oft unspezifisch sind, bleibt die Erkrankung in vielen Fällen lange unerkannt.
Diagnose
Die Diagnose basiert auf einer Kombination aus serologischen Tests und histologischen Untersuchungen. Zunächst werden im Blut Antikörper gegen Gewebstransglutaminase (anti-tTG) und Endomysium (EMA) bestimmt. Bei positiven Befunden folgt in der Regel eine Dünndarmbiopsie, um die Schleimhautstruktur zu beurteilen. Typische histologische Veränderungen sind Zottenatrophie, Kryptenhyperplasie und eine erhöhte Zahl intraepithelialer Lymphozyten. Für eine sichere Diagnose ist wichtig, dass die betroffene Person weiterhin Gluten konsumiert, da sich die Veränderungen unter glutenfreier Ernährung zurückbilden.
Therapie
Die einzige wirksame Behandlung der Zöliakie ist eine lebenslange, strikt glutenfreie Ernährung. Dies bedeutet den vollständigen Verzicht auf Weizen, Roggen, Gerste und verwandte Getreidearten sowie auf Produkte, die daraus hergestellt werden. Hafer kann in vielen Fällen verträglich sein, sofern er nicht mit anderen glutenhaltigen Getreiden verunreinigt ist. Unter glutenfreier Kost kommt es in der Regel innerhalb weniger Wochen bis Monate zu einer deutlichen Besserung der Beschwerden und zur Regeneration der Darmschleimhaut. Eine regelmäßige ärztliche Kontrolle ist erforderlich, um die Einhaltung der Diät zu überwachen und mögliche Mangelzustände zu behandeln.
Prognose
Bei frühzeitiger Diagnose und konsequenter Diät ist die Prognose günstig, und das Risiko für Folgeerkrankungen sinkt erheblich. Ein unbehandelter Verlauf kann dagegen zu schwerwiegenden Komplikationen führen, darunter anhaltende Mangelernährung, Unfruchtbarkeit, Osteoporose und ein erhöhtes Risiko für Dünndarmlymphome. Die Lebenserwartung entspricht bei konsequenter glutenfreier Ernährung der der Allgemeinbevölkerung.
Siehe auch
Literatur
- Ludvigsson, J. F. et al.: The Oslo definitions for coeliac disease and related terms. Gut 62(1), 2013, S. 43–52.
- Schuppan, D., Zimmer, K. P.: The diagnosis and treatment of celiac disease. Deutsches Ärzteblatt International 110(49), 2013, S. 835–846.