Çatalhöyük

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Çatalhöyük war eine neolithische Siedlung in der heutigen Türkei in der Nähe der anatolischen Stadt Konya. Die Siedlung bestand in einem a Zeitraum zwischen 7500 und 5700 v. Chr. Vor dem Einsetzen der Bronzezeit wurde sie aufgegeben.

Die Siedlung wurde in den 1950er Jahren entdeckt. Sie bestand aus zwei Hügeln künstlichen Ursprungs, dem älter datierten Ost- und dem jüngeren Westhügel. Die Entstehung der Hügel geht auf die Art der Bebauung zurück, die Häuser über Jahrhunderte hinweg über den alten zu errichten. Seit dem Beginn der archäologischen Ausgrabungen wurden nur rund 5 Prozent der Häuser freigelegt. Die archäologischen Arbeiten dauern bis zum heutigen Tag an. Seit 2012 gehört Çatalhöyük zum UNESCO-Welterbe.

Aufbau der Siedlung

Blick von oben auf die ausgegrabenen aneinandergereihten Häuser

Die Siedlung bestand aus höhenversetzten eingeschossigen Häusern mit Flachdach. Die Häuser standen so eng beieinander, dass es dort keine Straßen oder Durchgänge gab. Der Zugang zu einem Haus geschah über eine Dachluke. Die Öffnung diente auch als Rauchabzug der offenen Feuerstelle sowie als Lichteinfall. Da es keine Straßen zwischen den Häusern gab, spielte sich das öffentliche Leben auf den Dächern ab. Die wenigen freien Stellen zwischen den Häusern wurden als Müllabfall benutzt. Es wird geschätzt, dass in Çatalhöyük je nach Epoche 3.000 bis 10.000 Menschen gleichzeitig lebten. Die über Jahrhunderte in die Höhe gewachsene Siedlung bildet heute eine 17 Meter hohe archäologische Schicht.

Häuser

Von der Dachluke führte eine Leiter in das Hausinnere. Der Fußboden der Häuser war nicht eben, sondern bildete mehrere Abstufungen, um den knappen Platz effizienter nutzen zu können. Die Wände der Häuser bestanden hauptsächlich aus Lehm, die Dächer hatten tragende Holzbalken. Wände und Dächer waren mit poliertem Alabaster bedeckt. Die Wohnfläche der Häuser, die bis auf eine kleine Abstellkammer aus einem Raum bestanden, betrug zwischen 11 m² bis 23 m², im Mittel etwa 23 m².

Es ist nicht ganz klar, wie es um sanitäre Anlagen in der Stadt stand. Es wird vermutet, dass die Notdurft entweder direkt auf den Müllbergen zwischen den Häusern verrichtet wurde oder dass die Exkremente dort aus mitgebrachten Gefäßen entleert wurden. Zwischen organischen Küchenabfällen, Tonscherben und Figurinen wurden einige Fundstücke als Fäkalien interpretiert. Über Entstehung und Ausbreitung der Seuchen in der Stadt ist derzeit noch nichts bekannt, wobei viele Knochenfunde Anzeichen von Infektions- und Zivilisationskrankheiten, allem voran Karies, aufweisen.

Die Toten pflegte man direkt im Haus unter dem Boden zu bestatten. Im Durchschnitt gab es 5 bis 8 Bestattungen pro Haus, in einem Haus gab es ganze 62 Grabstätten. Die toten Erwachsenen begrub man, in Leinen gehüllt, im Norden des Hauses, Kinder und Neugeborene in einem geflochtenen Korb im Süden. Es ist möglich, dass es sich bei einigen der Kinder sogar um Bauopfer handelte.

Soziales Leben

Die Menschen in Çatalhöyük lebten auf engstem Raum, was gewisse Vorteile, aber auch Nachteile mit sich brachte. Neben den schlechten sanitären Zuständen provozierte die Enge soziale Konflikte. Die Steinzeitstadt erstreckte sich auf eine Fläche von 32 Hektar, umgerechnet eine Fläche von 550 mal 550 Metern. Das Zusammenleben von bis zu 10.000 Menschen auf engstem Raum, teilweise mit Vieh, konnte zu kleinen und großen Konflikten führen. Die Untersuchungen an geborgenen Skeletten zeigten mehrere Einwirkungen physischer Gewalt. Besonders am Schädel zeigten sich viele geheilten Frakturen, meist am Hinterkopf. Höchstwahrscheinlich wurden viele Bewohner mit Steinschleudern attackiert. In der Stadt fand man viele kleine Lehmkügelchen, die wohl als Projektile benutzt wurden. Sie passten gut mit Schädelfrakturen überein.

Quellennachweise