Amalrikaner

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Eine christlich-theologische Vereinigung, die sich im 13. Jahrhundert um den Pariser Magister Amalrich von Bena formiert hat. Die Amalrikaner vertraten die Ansicht, dass Gott allgegenwärtig sei, alles sei eines und alles, was ist, sei Gott. Auch jeder Mensch sei somit ein Gott. "Daher seien Taufe und Buße unnötig; wer die Erkenntnis erlangt habe, dass Gott alles sei, der benötige solche Hilfsmittel zur Erlangung der Gnade nicht mehr, denn es komme nur auf diese Erkenntnis an. Da Gott alles in allem bewirke, verursache er sowohl das Gute als auch das Böse. Ihm sei somit alles, was geschieht, zuzurechnen, und daher gebe es für den, der dies begriffen habe, keine Sünde. Die Erkenntnis dieser Wahrheit sei die wirkliche Auferstehung, eine andere (die künftige Auferstehung der Toten) sei nicht zu erwarten. Wer die Wahrheit erkannt habe, lebe bereits im Paradies, und die Hölle sei nichts anderes als Unwissenheit. Glaube und Hoffnung seien überflüssig, nur das Wissen zähle." [1] Die Lehre stand dem im 18. Jahrhundert definierten Pantheismus nahe, der auch die Existenz eines personifizierten Gottes abstreitet. 1210 wurden auf einer Synode in Paris die Lehren der Amalrikaner als häretisch verurteilt und verdammt. Zehn Kleriker, die der Lehre anhingen, wurden verurteilt und vor den Stadttoren verbrannt. Die Übrigen wurden teilweise zur lebenslanger Kerkerhaft verurteilt. Amalrich von Bena, der Begründer der Lehre, war damals bereits gestorben. Er wurde exhumiert und in ungeweihter Erde außerhalb des Friedhofs verscharrt.

Fussnoten

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