Reliquien

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Reliquien (lat. reliquiae „Überbleibsel“) sind Teile von sterblichen Überresten bzw. von persönlichen Gegenständen von zu Heiligen erklärten Personen. Den Knochen oder Gegenständen, mit denen ein Heiliger zu Lebzeiten in Berührung kam, maß man besondere mystische und symbolische Kräfte zu. Der Besitz von Reliquien konnte für die Kirche oder den Ort, an dem die Kirche stand, wirtschaftlich attraktiv werden, weil sehr prominente Artefakte Scharen von Pilgern anlocken konnten. Um an besonders wertvolle Reliquien zu gelangen, scheute man nicht vor Diebstahl, Raub und Mord.

Bedeutung

Reliquienverehrung gab es bereits vor Christentum. Die prominenteste davon war wohl die jüdische Bundeslade, in der die zwei Steintafeln mit den Zehn Geboten aufbewahrt wurden.

Reliquien haben für gläubige Menschen eine starke Symbolkraft. Sie waren Symbole der Heiligenverehrung, des Glaubens und der Macht. Im ausgehenden Altertum und im Frühmittelalter pflegte man die Kirchen über der Grabstelle von Heiligen zu bauen oder die Gebeine einzumauern. Es herrschte eine Glaubensannahme, dass man unter besonderem Schutz des Heiligen stand, wenn man im Besitz einer Reliquie war. Bestimmte Attribute von Reliquien versprachen für den Besitzer außergewöhnliche Fähigkeiten.

Kategorien

Reliquien werden in Klassen aufgeteilt:

  1. Reliquien erster Klasse sind mumifizierte Überreste, Knochen oder Asche der Heiligen
  2. Reliquien zweiter Klasse enthalten Gegenstände, die ein Heiliger zu Lebzeiten besessen oder berührt haben soll
  3. Reliquien dritter Klasse sind Gegenstände, die eine gewisse Zeit mit Reliquien erster Klasse in Berührung kamen

Eine besondere Klasse bilden sogenannte biblische Reliquien wie die Bundeslade, die heilige Lanze, die Dornenkrone, Holzsplitter vom Kreuz, Kreuznägel, Jesus’ Grabtuch sowie der Heilige Gral - ein Kelch, in dem das Blut Christi aufgefangen wurde.

Die letzte Klasse gehört wohl ins Reich der Mythen. Sie dienten als Vorlage für zahlreiche Bücher und Kinofilme. Es hieß, dass diese Gegenstände einem Menschen unermessliche Kräfte verleihen würden, sogar ewige Jugend und Unsterblichkeit, wenn man sie besaß. Legenden zufolge gelang es den Tempelrittern, diese Reliquien im gelobten Land zu finden und sie zu verstecken.

Nach der Eroberung von Jerusalem und Konstantinopel während der Kreuzzüge brachten Kreuzritter mehrere Holzsplitter vom angeblichen Kreuzungskreuz mit nach Hause. Bis heute sind viele dieser Splitter des Heiligen Kreuzes erhalten geblieben und werden in vielen Kirchen verehrt. Weil es bereits damals eine Menge solcher Einzelstücke gab, spotteten noch Zeitgenossen, man könne daraus ein ganzes Schiff bauen.

Auch von weiterer biblischer Reliquie, den Kreuzungsnägeln, gibt es heute noch nachweislich 32 Stück an 29 verschiedenen Orten. Das kann mit der Realität nicht übereinstimmen. Ähnliches gilt auch für andere Christusreliquien.

Im katholischen Mittelmeerraum bis in den Süden Deutschlands gibt es in vielen Kirchen sogenannte "Katakombenheilige" - oftmals ganze Körper von Urchristen, unter anderem von Märtyrern, die in Katakomben Roms bestattet waren. Viele Katakombenheilige wurden noch im Frühmittelalter an Kirchen verkauft. Die Echtheit dieser Heiligen sollen Verkaufsurkunden oder Siegel belegen sowie eine von einem hohen Geistlichen ausgestellte autentica.

Im Zuge des reformatorischen Bildersturms sind viele Reliquien vernichtet worden. Protestanten sahen in der Verehrung von Knochen Aberglauben und Götzenanbetung. Erhalten wurden sie meist in den traditionell katholischen Gegenden, die von den Wirren der Reformation verschont wurden.

Handel mit Reliquien

Trotz Dokumenten konnte die Identität von einem menschlichen Skelett oder Skelettteilen nicht eindeutig geklärt werden. Seit dem Mittelalter gab es neben authentischen Reliquien viele Fälschungen. Die wohl berühmteste ist das Grabtuch von Turin, obwohl noch viele Gläubige an die Echtheit dieses Meisterwerks der Fälschung glauben. Auch heute noch floriert das Geschäft mit Reliquienhandel. Aus legalen Quellen wie Kirchenauflösungen, aber auch durch illegalen Handel landen echte und gefälschte Reliquien in Händen von Sammlern, im Antiquitätenhandel oder verschwinden ins osteuropäische oder asiatische Ausland. Unter den Kunden sind selten Gläubige. Reliquien werden heute weitestgehend von reicher Kundschaft als Statussymbol erworben.

Seinerzeit gehörte der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches Karl IV. zu den berühmten Reliquiensammlern.[1]

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Quellennachweise