Entwicklung des Photovoltaikmarktes in Deutschland: Unterschied zwischen den Versionen

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=== Wiederanstieg und PV-Renaissance (ab 2019) ===
=== Wiederanstieg und PV-Renaissance (ab 2019) ===


Steigende Strompreise, Klimaschutzdebatten und technologische Verbesserungen führten seit 2019 zu einer neuen Wachstumsphase. Besonders der Eigenverbrauch von Solarstrom mit Batteriespeichern wurde attraktiv. Die Förderung durch KfW und Bundesländer trug zusätzlich bei.
Steigende Strompreise, Klimaschutzdebatten und technologische Verbesserungen führten seit 2019 zu einer neuen Wachstumsphase. Besonders der Eigenverbrauch von [[Solarstrom]] mit Batteriespeichern wurde attraktiv. Die Förderung durch KfW und Bundesländer trug zusätzlich bei.


== Aktuelle Situation (Stand 2025) ==
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* Förderung für Batteriespeicher (z. B. in Bayern, Baden-Württemberg)
* Förderung für Batteriespeicher (z. B. in Bayern, Baden-Württemberg)
* Steuerliche Vereinfachung seit 2023 (keine Umsatzsteuer bei Kauf & Installation)
* Steuerliche Vereinfachung seit 2023 (keine Umsatzsteuer bei Kauf & Installation)
* Netzanschluss und Bürokratie bleiben zentrale Hemmnisse
* Netzanschluss und [[Bürokratie]] bleiben zentrale Hemmnisse


== Herausforderungen des PV-Markts ==
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* [https://www.bundesnetzagentur.de/ BNetzA – Zubauzahlen Photovoltaik]
* [https://www.bundesnetzagentur.de/ BNetzA – Zubauzahlen Photovoltaik]
* [https://www.pv-magazine.de/ PV Magazine – Nachrichten zum PV-Markt]
* [https://www.pv-magazine.de/ PV Magazine – Nachrichten zum PV-Markt]
== Quellennachweise ==
<references/>


[[Kategorie:Photovoltaik]]
[[Kategorie:Photovoltaik]]

Aktuelle Version vom 21. Oktober 2025, 16:51 Uhr

Der Photovoltaik-Markt in Deutschland zählt zu den größten und dynamischsten Solarmärkten weltweit. Seit dem Jahr 2000 hat sich Deutschland durch gezielte Förderprogramme, technologische Innovationen und gesellschaftliche Akzeptanz zu einem internationalen Vorreiter in der Nutzung von Sonnenenergie entwickelt.

Entwicklung der Photovoltaik in Deutschland

Anfänge in den 1990er-Jahren

Die erste große Phase des PV-Ausbaus begann mit dem „100.000 Dächer-Programm“ (1999–2003), das eine staatlich geförderte Markteinführung der Solartechnologie ermöglichte. Die Kosten für Solarmodule waren damals noch sehr hoch, sodass wirtschaftlicher Betrieb nur mit Förderung möglich war.

EEG und Marktdurchbruch ab 2000

Mit dem Inkrafttreten des Erneuerbare-Energien-Gesetzes (EEG) im Jahr 2000 wurde die Einspeisung von Solarstrom ins Netz gesetzlich geregelt. Eine über 20 Jahre garantierte Einspeisevergütung machte Investitionen in Photovoltaik besonders attraktiv. In der Folge stieg die installierte Leistung rasant an.

  • 2005: rund 1 GW installierte Leistung
  • 2010: über 17 GW
  • 2012: Boom-Jahr mit über 7 GW Zubau in nur einem Jahr

Markteinbruch und Konsolidierung (2013–2018)

Nach der Reduzierung der Einspeisevergütung und der Einführung von Ausbaukorridoren brach der Zubau ab 2013 deutlich ein. Zahlreiche Unternehmen der Solarbranche gingen insolvent. Dennoch blieb Deutschland technologisch führend, insbesondere im Bereich Wechselrichter und Speicherlösungen.

Wiederanstieg und PV-Renaissance (ab 2019)

Steigende Strompreise, Klimaschutzdebatten und technologische Verbesserungen führten seit 2019 zu einer neuen Wachstumsphase. Besonders der Eigenverbrauch von Solarstrom mit Batteriespeichern wurde attraktiv. Die Förderung durch KfW und Bundesländer trug zusätzlich bei.

Aktuelle Situation (Stand 2025)

  • Gesamte installierte Leistung (PV) in Deutschland: über 85 GW[1]
  • Anteil am Bruttostromverbrauch: rund 13 % (2024)
  • Geplantes Ziel für 2030: mindestens 215 GW installierte PV-Leistung

Marktsegmente

  • Aufdachanlagen (privat/gewerblich) – ca. 60 % des Markts
  • Freiflächenanlagen – stark wachsend (Agri-PV, Floating-PV)
  • Balkonkraftwerke – Mini-PV für Mietwohnungen und kleine Dachflächen boomt
  • Industrieanlagen – zur Eigenversorgung energieintensiver Betriebe

Fördermodelle und Rahmenbedingungen

  • EEG-Einspeisevergütung für neue Anlagen (2025): ca. 7–12 Cent/kWh (je nach Größe und Voll- oder Teileinspeisungsmodel)
  • Förderung für Batteriespeicher (z. B. in Bayern, Baden-Württemberg)
  • Steuerliche Vereinfachung seit 2023 (keine Umsatzsteuer bei Kauf & Installation)
  • Netzanschluss und Bürokratie bleiben zentrale Hemmnisse

Herausforderungen des PV-Markts

  • Netzkapazität: Engpässe beim Netzanschluss behindern den Ausbau
  • Fachkräftemangel: Installation leidet unter Personalknappheit
  • Flächenkonkurrenz: Landwirtschaft, Naturschutz und PV stehen in Konflikt
  • Abhängigkeit von Importen: Großteil der Module stammt aus China

Technologische Trends

  • Bifaziale Solarmodule (beidseitige Stromerzeugung)
  • Integration in Gebäudehüllen (Building-Integrated Photovoltaics, BIPV)
  • Kombination mit Wärmepumpen und E-Mobilität
  • Agri-PV: Doppelnutzung von landwirtschaftlichen Flächen

Internationaler Vergleich

Land Installierte PV-Leistung (2024) Anteil am Stromverbrauch Bemerkungen
Deutschland 85 GW ~14 % Hoher Eigenverbrauchsanteil, Bürgerbeteiligung
China >500 GW ~6–7 % Größter PV-Markt weltweit, starker Industriefokus
USA ~160 GW ~5 % Wachsender Markt, viele Freiflächenanlagen
Spanien ~40 GW ~18 % Hohe Sonneneinstrahlung, starker PV-Ausbau ab 2020
Niederlande ~20 GW >15 % Sehr hohe PV-Dichte pro Fläche
Frankreich ~18 GW ~4 % Starker Fokus auf Atomenergie, langsamer PV-Ausbau

Fazit

Deutschland hat eine Schlüsselrolle im weltweiten Photovoltaik-Ausbau eingenommen – nicht nur als Markt, sondern auch als Ideengeber. Trotz früher Rückschläge ist der PV-Markt heute stabil, vielfältig und von wachsender gesellschaftlicher Akzeptanz geprägt. Der weitere Erfolg hängt nun von regulatorischen Vereinfachungen, Netzmodernisierung und Innovationsförderung ab.

Siehe auch

Weblinks

Quellennachweise