Michail Gorbatschow: Unterschied zwischen den Versionen
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Nach 1991 widmete sich Gorbatschow internationalen Stiftungen, Vorträgen und publizistischen Arbeiten. Er zeigte sich weiterhin politisch interessiert, kritisierte autoritäre Tendenzen im postsowjetischen Raum und trat gelegentlich öffentlich auf. Politisch spielte er jedoch keine zentrale Rolle mehr. Trotz gemischter Bewertung seines Erbes blieb er international anerkannt. In Russland wurde seine Reformpolitik oft kritisch gesehen, im Ausland hingegen überwiegend positiv beurteilt. Gorbatschow starb am 30. August 2022 in Moskau nach längerer Erkrankung. Sein Tod markierte das Ende einer prägenden Figur des späten 20. Jahrhunderts. | Nach 1991 widmete sich Gorbatschow internationalen Stiftungen, Vorträgen und publizistischen Arbeiten. Er zeigte sich weiterhin politisch interessiert, kritisierte autoritäre Tendenzen im postsowjetischen Raum und trat gelegentlich öffentlich auf. Politisch spielte er jedoch keine zentrale Rolle mehr. Trotz gemischter Bewertung seines Erbes blieb er international anerkannt. In Russland wurde seine Reformpolitik oft kritisch gesehen, im Ausland hingegen überwiegend positiv beurteilt. Gorbatschow starb am 30. August 2022 in Moskau nach längerer Erkrankung. Sein Tod markierte das Ende einer prägenden Figur des späten 20. Jahrhunderts. | ||
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Aktuelle Version vom 18. November 2025, 12:31 Uhr
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| Alternativnamen | (russ.) Михаил Сергеевич Горбачёв |
|---|---|
| Kurzbeschreibung | sowjetischer Politiker, Generalsekretär der KPdSU und letzter Präsident der Sowjetunion |
| Geburtsdatum | 2 March 1931 |
| Alter |
91 Jahre |
| Geburtsort | Priwolnoje, Region Stawropol, Russische SFSR |
| Sterbedatum | 30 August 2022 |
| Sterbeort | Moskau, Russische Föderation |
| Staatsangehörigkeit | Sowjetunion, Russische Föderation |
| Tätigkeitsfeld | Politik |
| Bekannt für | Perestroika, Glasnost, Reformpolitik, Ende des Kalten Krieges |
| Aktiv seit | 1955 |
| Werke (Auswahl) | politische Schriften und Memoiren |
Michail Gorbatschow wurde 1931 in einem Bauernhaushalt im Nordkaukasus geboren. Seine Kindheit war von den wirtschaftlichen Schwierigkeiten der 1930er Jahre und dem Zweiten Weltkrieg geprägt. Er zeigte früh Interesse an Politik und trat nach der Schulzeit in den Komsomol ein. 1950 begann er ein Studium der Rechtswissenschaft an der Lomonossow-Universität. Dort entwickelte er erste politische Kontakte, die später seinen Aufstieg ermöglichten. Nach seinem Abschluss kehrte er in die Region Stawropol zurück und übernahm Aufgaben in der lokalen Parteiverwaltung. Diese frühe Phase war geprägt durch die Verbindung von akademischer Ausbildung, politischem Engagement und dem sozialen Umfeld einer ländlich geprägten Sowjetregion.
Aufstieg in der KPdSU
In den 1960er und 1970er Jahren stieg Gorbatschow kontinuierlich innerhalb der KPdSU auf. Als regionaler Parteisekretär in Stawropol erwarb er sich den Ruf eines pragmatischen Funktionärs mit guten Kontakten zu führenden Persönlichkeiten in Moskau. 1978 wechselte er in das Zentralkomitee, wo er für Landwirtschaft zuständig war. 1980 wurde er zum jüngsten Mitglied des Politbüros ernannt. Sein Stil galt als sachlich und weniger ideologisch, was ihn für Reformüberlegungen empfänglich machte. Sein Aufstieg war eng verbunden mit strukturellen Problemen der sowjetischen Wirtschaft und dem wachsenden Bedarf an modernisierungsbereiten Führungspersonen.
Generalsekretär und Reformpolitik
Nach dem Tod von Konstantin Tschernenko wurde Gorbatschow 1985 zum Generalsekretär der KPdSU gewählt. Er leitete mit den Konzepten Perestroika (Umgestaltung) und Glasnost (Offenheit) weitreichende Reformen ein. Ziel war es, die stagnierende sowjetische Wirtschaft zu modernisieren und mehr gesellschaftliche Transparenz zu schaffen. Die Maßnahmen führten zu einer Lockerung staatlicher Kontrolle, stärkten die öffentliche Diskussion und veränderten das politische Klima tiefgreifend. Gleichzeitig verschärften wirtschaftliche Schwierigkeiten und wachsende Unzufriedenheit die Spannungen im Staat. Gorbatschows Reformpolitik leitete eine Phase ein, in der die Sowjetunion politisch offener, aber auch instabiler wurde.
Außenpolitik und Ende des Kalten Krieges
Gorbatschow verfolgte eine neue außenpolitische Linie, die auf Abrüstung, Dialog und Entspannung beruhte. Er verhandelte mit den USA über weitreichende Rüstungsbegrenzungen, darunter den INF-Vertrag von 1987. Seine Entscheidung, keine militärische Gewalt gegen Reformbewegungen im Ostblock einzusetzen, beschleunigte politische Veränderungen in Mittel- und Osteuropa. Die Öffnung der Berliner Mauer 1989 und der anschließende Wandel in den sozialistischen Staaten wurden weltweit mit seinem Kurs in Verbindung gebracht. International genoss er hohes Ansehen und erhielt 1990 den Friedensnobelpreis. Diese Politik trug entscheidend zum Ende des Kalten Krieges bei.
Zerfall der Sowjetunion
Die innenpolitische Lage verschärfte sich Anfang der 1990er Jahre. Nationale Bewegungen in mehreren Republiken forderten mehr Autonomie oder Unabhängigkeit. Wirtschaftliche Probleme, Preissteigerungen und Versorgungsengpässe verstärkten den Unmut. 1991 scheiterte der Augustputsch konservativer Funktionäre, schwächte aber die Autorität Gorbatschows erheblich. Kurz darauf erklärten mehrere Republiken, darunter Russland unter Boris Jelzin, ihre Unabhängigkeit. Am 25. Dezember 1991 trat Gorbatschow als Präsident der Sowjetunion zurück. Mit seinem Rücktritt endete der sowjetische Staat, der am folgenden Tag offiziell aufgelöst wurde.
Letzte Jahre und Tod
Nach 1991 widmete sich Gorbatschow internationalen Stiftungen, Vorträgen und publizistischen Arbeiten. Er zeigte sich weiterhin politisch interessiert, kritisierte autoritäre Tendenzen im postsowjetischen Raum und trat gelegentlich öffentlich auf. Politisch spielte er jedoch keine zentrale Rolle mehr. Trotz gemischter Bewertung seines Erbes blieb er international anerkannt. In Russland wurde seine Reformpolitik oft kritisch gesehen, im Ausland hingegen überwiegend positiv beurteilt. Gorbatschow starb am 30. August 2022 in Moskau nach längerer Erkrankung. Sein Tod markierte das Ende einer prägenden Figur des späten 20. Jahrhunderts.