:: kritisch hinterfragt ::

Auch Atheisten haben ein Recht auf Gleichberechtigung
28.10.2003 | 18:43 Uhr

In den USA hat sich eine neue Bewegung formiert, die sich über das Internet als internationale Vereinigung konstituieren möchte: die "Brights", was auf Deutsch so viel wie die Aufgeweckten, die Hellen oder die Gescheiten bedeutet (nicht zu verwechseln mit den "Erleuchteten" - den Illuminaten). Das Ziel der Vereinigung ist, ein naturalistisches Weltbild zu vertreten als Ausgleich für religiös-esoterisch geprägte Denkweise der abendländischen Spaß-Kultur. Frei von übernatürlichen oder mystischen Elementen zu sein und dazu zu stehen, als Reaktion auf die immer stärker religiös geprägte amerikanische Politik und Bildung, das ist das Credo der Brights. Denn immer mehr Amerikaner, wahrscheinlich weit mehr als die bislang geschätzten 27 Millionen, bekennen sich als nicht religiös, und fühlen sich durch die bigotte politische Stimmung im Land benachteiligt, um nicht zu sagen: unterdrückt.

Der Gedanke ist zwar nicht neu: Bereits im 13. Jahrhundert wurden mit einem ähnlichen Ziel die ersten Freimaurer-Logen gegründet, aus denen im 18. Jahrhundert die Illuminaten hervorgegangen sind, um die es die wildesten Verschwörungstheorien im weltweiten Datennetz geistern. Anders als bei einer Mitgliedschaft in einem Geheimbund, kann jeder ein Bright werden, der sich in seinen Ansichten als solcher versteht.

Initiiert wurde die Bewegung von renommierten Autoren und Wissenschaftlern wie Richard Dawkins, Autor der Bestseller "Das egoistische Gen" oder "Der blinde Uhrmacher", und Michael Shermer, Herausgeber der US-Zeitschrift SKEPTIC und Kolumnist bei Scientific American, aber auch dem Trickzauberer und Okkultaufklärer James Randi, der als Zauberkünstler schon so manches als übersinnlich behauptete Phänomen demontiert hat. Weitere "Brights" sind Nobelpreisträger wie Sheldon Lee Glashow oder Richard Roberts. All diese Persönlichkeiten sehen die naturwissenschaftliche Weltsicht in den meisten Gesellschaften nur ungenügend vertreten. Daher halten sie es für notwendig, dass gerade Menschen mit einem gewissen sozialen Prestige Einfluss auf die Gemeinschaft nehmen und gegen Aberglauben und Unwissenschaftlichkeit vorgehen.

Die "Brights" sehen sich als Vereinigung von Atheisten, Agnostikern, Freidenkern, Humanisten und Rationalisten oder anderen weltlich eingestellten Organisationen, kurz als Sprachrohr der Nichtreligiösen. Sie sind "Naturalisten" - Anhänger der naturwissenschaftlichen Weltanschauung. Mystik und Übernatürliches, Glaube und Aberglaube aber auch Unwissenheit und Intoleranz betrachten sie als Auswüchse unserer medialen Kultur, worin die Gesellschaft in Bedeutungslosigkeit und Profanität unterzugehen droht. Diesen muss mit der Bewegung der Brights entgegengesteuert werden. Dabei sind die Ansichten der Brights nicht dogmatisch und doktrinär: sie wollen weder eine aggressive Atheistenrolle spielen noch jemand in religiöse Debatten verwickeln. Auch vor Menschen und Kulturen, in denen mystische Elemente eine Rolle spielen, haben die die Brights selbstverständlich einen tiefen Respekt.

Noch ist die Bewegung jung und muss sich erst in den Köpfen der Menschen festzusetzen. Dabei nehmen die Brights sich die amerikanische Schwulenbewegung zum Vorbild. Diese trat seit Ende der 1960er Jahre mit dem ursprünglich als Schimpfwort verwendeten Namen "gay" an die Öffentlichkeit, erzeugte mit lautem, buntem Auftreten Aufmerksamkeit und schaffte es so, sich als fester Bestandteil der Gesellschaft zu etablieren.

Wenn die Brights Erfolg mit ihrem Modell haben, könnte man künftig auf die Frage nach einem Leben nach dem Tod folgendermaßen antworten: "Ich bin ein Bright, ich halte nichts davon."

Quelle: e-Skeptiker, 6/2003



Leser-Kommentare:

Dr. Stephan-Alex. Thomas: 
(01.02.2004, 22:29 Uhr)

maria: 
(04.03.2004, 18:31 Uhr)

Ancient: 
(27.07.2004, 16:12 Uhr)

E.T.: 
(28.07.2004, 14:48 Uhr)

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