Sie sind hier: Startseite >> kritisch hinterfragt >> News

Portal
· Home
· Forum
· Galerie
· Weblinks
· Lexikon
· Mitarbeit
· Newsfeed
· Kontakt
Kritisches Denken
Kritisches Denken
· Kritisches Denken?
·
News
· Referate
· Bücher
· Zahlen und Fakten
Regenerative Energien
Wussten Sie schon,
dass Homöopathie von der Medizinischen Fakultät der Universität Marburg 1993 offiziell zur Irrlehre erklärt wurde? 
Regenerative Energien
Aphorismen
"Wer nicht gerne denkt, sollte wenigstens von Zeit zu Zeit seine Vorurteile neu gruppieren." Luther Burbank 
 :: kritisch hinterfragt ::

Moderne Legende: Ötzis Fluch rafft Forscher dahin
03.05.2005 | 13:34 Uhr

Der erste Tote aus Ötzis Umfeld war der Gerichtsmediziner Rainer Henn (64). Er war an der Bergung der Leiche maßgeblich beteiligt. Im Jahr 1992 verunglückte er tödlich bei einem Autounfall - auf der Fahrt zu einem Vortrag über den Gletschermann, den er just ein dreiviertel Jahr zuvor aus dem ewigen Eis gestemmt hatte. Schon im nächsten Jahr starb der Bergführer Kurt Fritz beim Sturz in eine Gletscherspalte. Er hatte Reinhold Messner zum Fundort begleitet und den Abtransport der Mumie mit dem Hubschrauber organisiert. Der dritte Tote war der ORF-Reporter Rainer Hölzl (41), der die Ötzi-Bergung gefilmt hatte: Er erlag 2004 einem Gehirntumor. Ein großes Medienecho rief die Suche nach dem zunächst vermissten Mumien-Entdecker Helmut Simon (67) hervor, der im Oktober desselben Jahres von einer Bergtour auf den Gamskarkogel bei Salzburg nicht zurückgekommen war. Zwei Wochen später fand man seine Leiche in einer Schlucht. Er hatte sich scheinbar abseits der Routen bewegt, war auf einem unmarkierten Jägersteig ausgerutscht und etwa 100 Meter tief abgestürzt, meldete damals der ORF. Bergretter Dieter Warnecke (65), der sich an der Suche nach dem Vermissten beteiligt hatte, starb nur wenige Stunden nach dessen Beerdigung an einem Infarkt - laut einer Meldung auf "Bild.de".


Ötzi - die Gletscher-mumie aus der Jungsteinzeit

Die "Zeit" dagegen behauptet schulmeisterlich, der Mann erfreue sich bester Gesundheit. Hier schrillt die Alarmglocke des Skeptikers. Stellt "Bild" etwa Totenscheine aus, um Ötzi als fluchende Eis-Bestie zu diskreditieren? Die "Zeit" mag zwar im Allgemeinen gegenüber der Boulevard-Zeitung einen gewissen Vertrauensvorsprung genießen, doch in diesem konkreten Fall haben ihre Rechercheure kläglich versagt: Zu stark war wohl der - nicht ganz unverständliche - Drang, den Schreibern von "Bild" Pfusch im Blatt nachzuweisen. Wie Andrea Hinterseer von der Bergrettung Salzburg der GWUP auf Nachfrage mitteilte, ist Dieter Warnecke senior sowohl bei der Suche nach Helmut Simon dabei gewesen als auch kurz nach dessen Beerdigung verstorben. Dass die "Zeit" ihm dennoch beste Gesundheit bescheinige, so Hinterseer weiter, liege wohl daran, dass Dieter Warnecke einen gleichnamigen, lebendigen Sohn hat.

"Bild" zählt sechs Todesfälle auf. Zum letzten "Opfer" erkürt das Blatt den erst vor wenigen Tagen am 17. April 2005 einer schweren Krankheit erlegenen Konrad Spindler (66). Spindler war Professor am Institut für Ur- und Frühgeschichte der Universität Innsbruck und stand als Ötzi-Forscher an vorderster Mumien-Front. Als besonders makaber gilt hierbei, dass er die Legende um Ötzis Fluch zu Lebzeiten als "Medienhype" eingestuft hat und - so "Bild.de" - scherzhaft fragte: "Werde ich der Nächste sein?" Dabei verschweigt das Blatt einen weiteren Toten, der die Zahl der Ötzi-Opfer auf sogar inzwischen sieben anwachsen ließe: Im Januar dieses Jahres starb der Innsbrucker Professor Friedrich Tiefenbrunner (63) während einer Herzoperation. Sein Tod sei völlig unerwartet gekommen, zitiert "Sagen.at" einen Kliniksprecher. Tiefenbrunner war Leiter des Instituts für Mikrobiologie und Hygiene an der Universität Innsbruck. Er hatte eine Methode entwickelt, Ötzi vor Bakterien und Pilzbefall zu schützen. Und er war im Team von Spindler.

Sieben Tote in dreizehn Jahren. Alle hatten mehr oder weniger direkt den eisigen Dunstkreis von "Frozen Fritz" (etwa 47) tangiert. Fielen sie Ötzis Fluch zum Opfer, hervorgestoßen von kalten Lippen in den Sekunden seines Todes, als er, von einem Pfeil durchbohrt, sterbend all jene verdammte, die jetzt und in Zukunft Hand an ihn legten? Lehrt nicht die Geschichte der Archäologie, die Mumien dieser Welt besser dort auf Ewigkeit ruhen zu lassen, wo sie liegen und gammeln? Raffte nicht schon Tutanchamun, die fluchende Erz-Mumie par excellence, all jene ungläubigen Frevler dahin, die sich plündernd an seinem Grab vergingen? Wird nicht jede anständige Mumie nur mit einem dazugehörigen Fluch ausgeliefert - auch solche aus Südtirol?

Ein Stoff, aus dem Legenden sind. Mehr nicht. Tatsächlich nämlich recherchierte das amerikanische Skeptiker-Urgestein James Randi, dass die 22 Ausländer, die unmittelbar mit der Öffnung des Grabes von Tutanchamun zu tun hatten, dessen "Fluch" um durchschnittlich mehr als 23 Jahre überlebten: Die Beteiligten starben im Schnitt mit 73 Jahren, womit sie ungefähr ein Jahr älter wurden als andere Personen ihres Standes und ihrer Jahrgänge, zitiert GWUP-Pressesprecher Bernd Harder im "Skeptiker" aus Randis Ergebnissen. Ähnlich unmystisch - wenngleich tragisch für alle Beteiligten und Angehörigen - verhält es sich mit den "Opfern" der Ötztaler Gletscherleiche. "Ausnahmslos jeder, der Napoleon je die Hand gereicht hat, ist tot", bringt "Sagen.at" die Sache auf den Punkt. Soll heißen: Mit jedem Tag, der ins Land zieht, steigen für jeden Beteiligten die Chancen auf ein baldiges Ableben. Und: Es ist zwar bedauernswert, aber keinesfalls ungewöhnlich, wenn passionierte Bergsteiger und berufliche Bergretter in eisiger Höhe bei Unfällen sterben. Denn ganz natürlich tragen sie ein viel höheres Risiko, in einer Lawine oder Gletscherspalte den Tod zu finden, als beispielsweise ein ostfriesischer Leuchtturmwärter, der nie seine Hallig verlässt.

Sehr viele Menschen haben sich in der Vergangenheit mit dem "Mann vom Hauslabjoch" wissenschaftlich, publizistisch und organisatorisch beschäftigt. Allein in den sechs Jahren von 1998 bis 2004 haben rund 1,5 Millionen Mumien-Touristen aus aller Welt die Ötzi-Ausstellung im Archäologie-Museum Bozen heimgesucht. Haben sie alle den magischen Todesfluch auf sich gezogen? Droht jetzt ein globales Massensterben unter den sensationsgeilen Ötzi-Gaffern? Wie differenziert funktioniert so ein Fluch? Verenden demnächst jämmerlich alle Leser dieser Zeilen oder - was noch schlimmer wäre - ihr skeptischer, ja spöttelnder Autor? Mumien, Flüche, Leichen und ähnliches Kroppzeug faszinieren Mensch und Medien gleichermaßen. Lieber ein paar schlechte Geschichten erzählt, als ein paar gute Käufer verloren, scheint die Devise mancher Blattmacher.

"Sagen.at" sucht die Erklärung für den Ötzi-Mythos derweilen in der Volkskunde. Demnach entspreche es schlicht der allgemeinen Moral, dass man Tote nicht stören darf: "Die im Jahre 2001 im Rücken des Eismannes gefundene Pfeilspitze könnte zusätzlich die Phantasie nähren, dass dieser sterbend einen Fluch ausgesprochen haben könnte", vermutet man auf "Sagen.at" nicht ganz zu Unrecht. Stephan Bachter, GWUP-Mitglied und Mitarbeiter am Institut für Volkskunde/ Europäische Ethnologie an der Ludwig-Maximilians-Universität München, findet es gar "unverantwortlich, solche Flüche zu konstruieren, da sie Betroffene einem gewissen Druck aussetzen". Bachter hat eher den Eindruck, dass nicht alle Ötzi-Finder erfahrene Alpinisten gewesen und folglich in dem anspruchsvollen Gelände des Ötztals bei unzureichender Ausrüstung bzw. Kondition gescheitert seien. Wenn zudem manche mit dem Ötzi in Verbindung stehende Professoren auf Grund einer schweren Krankheit das Zeitliche segneten, biete das auch keinen Anlass, irgendwelche "Ötzi-Flüche" zu konstruieren. "Wissen wir eigentlich, ob es in der Kultur des Ötzi überhaupt üblich war, jemanden zu verfluchen? Warum sollte Ötzi - oder der Pharao - jemanden verfluchen, der ihm solchen Nachruhm bescherte? Hier schreiben so genannte Journalisten etwas herbei, was keine reale, empirische Grundlage hat", so Bachter. Rächende Mumien, denen zu Lebzeiten fürchterliches Unrecht geschah, werden von Hollywoods Filmschaffenden trotzdem immer wieder in Heerscharen ausgesendet, um die Popcorn kauenden Massen unterhaltsam das Fürchten zu lehren. Death sells.

Quelle: e-Skeptiker, www.gwup.org




Leser-Kommentare:

Anonym: 
(04.12.2005, 19:10 Uhr)

lena: 
(11.01.2006, 11:39 Uhr)

lena: 
(11.01.2006, 11:41 Uhr)

lena: meine e-mail lautet lena-wotenow@.web bitte dann melden
(11.01.2006, 11:43 Uhr)

lena: Anonym gut geschrieben hoffe es klappt
(11.01.2006, 12:05 Uhr)

lena: meldet euch doch mal bitte
(13.01.2006, 11:29 Uhr)

: 
(13.01.2006, 12:50 Uhr)

: 
(23.01.2006, 16:19 Uhr)

benni: 
(07.03.2006, 23:43 Uhr)

E.T.: 
(07.03.2006, 23:57 Uhr)

Kommentar schreiben:
Aufgrund der massiven Spamflut ist die Abgabe von Kommentaren vorübergehend deaktiviert! Nutzen Sie bitte das Forum.

Name:
E-Mail oder Homepage:

Comment-Script (c) by Alex Ilosuna



(c)2005 Zentrum für Wissenschaft und
kritisches Denken, GWUP e.V., www.gwup.org


vorige News

wiki.sah

Seite empfehlen  Weblinks  Sitemap  Community  Lexikon  Newsmeldungen
Volltextsuche
Spezial

wiki.sah

Testen Sie Ihr
Wissen

 
Tipp:

Mein paranormales Fahrrad und andere Anlässe zur Skepsis
cover


impressum | kontakt | disclaimer |

© by Science@home.de