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 :: kritisch hinterfragt ::

Kritik an der politischen Unterstützung der Homöopathie
17.05.2005 | 18:28 Uhr

Anlässlich des Homöopathischen Welt-Ärztekongresses vom 4. bis 7. Mai 2005 in Berlin bedauert es die GWUP - unterstützt von Wissenschaftlern aus aller Welt - um so mehr, dass der 250. Geburtstag des Homöopathie-Begründers Samuel Hahnemann nicht zu kritischer Wertung genutzt wird. Stattdessen setzen homöopathische Ärzte und Verbände auf Marketing und Verkaufsförderung. Die GWUP weist auf ihren Kongress in Regensburg hin, der das Thema Homöopathie zur gleichen Zeit behandelt - allerdings auf wissenschaftlicher Basis: Im Mittelpunkt stehen konkrete Inhalte und nicht unreflektierte Akzeptanz.


Die GWUP kritisiert vor allem die gedankenlose und willfährige Unterstützung dieser pseudowissenschaftlichen Theorie durch Prominente. Bundestagsvizepräsidentin Antje Vollmer "hat gerne die Schirmherrschaft übernommen" zum Hahnemann-Geburtstags-Kongress vom 1. - 3. April in Leipzig, Kanzlergattin Doris Schröder-Köpf übernimmt diese Funktion bei dem Berliner Kongress. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt schickte ein Grußwort, in dem sie von den "globalen Erfolgen" der Homöopathie spricht. Damit wird die deprimierende Bilanz der Förderung von Pseudowissenschaften durch verschiedene Bundesregierungen fortgesetzt. "Statt um Wissenschaftlichkeit geht es bei Befürwortern der Homöopathie um politisches Lobbying", sagt GWUP-Geschäftsführer Amardeo Sarma. "Da die Homöopathen langsam die Hoffnung auf den wissenschaftlichen Nachweis aufgeben, setzen sie auf die Unterstützung der Politik und finden dabei ahnungslose Zustimmung."

Die Homöopathie sieht Krankheiten als "geistartige Verstimmungen". Homöopathie-Erfinder Hahnemann lehnte die Existenz von Krankheitserregern, von denen wir heute wissen, grundsätzlich ab. Die Biowissenschaften haben aber die Idee einer geistartigen Lebenskraft - den Vitalismus - schon seit über 150 Jahren aufgegeben. Damit stehen die Vorstellungen der Homöopathie in krassem Widerspruch zu unseren heutigen biomedizinischen Kenntnissen. Auch die Lehre von der Potenzierung, wonach der Ausgangsstoff so lange verdünnt wird, bis ein Präparat entsteht, das nicht einmal einen Rest Wirkstoff enthalten kann, widerspricht allem, was uns Physik und Chemie lehren. Die Homöopathie ist nichts als eine magisch-abergläubische Form der "Heilkunst".

Auch wenn Homöopathen auf den Slogan "Wer heilt, hat Recht" zurückgreifen: Unter kontrollierten wissenschaftlichen Bedingungen entsprechen die "Heilerfolge" nur dem wohlbekannten Placebo-Effekt. Unter dem Placebo-Effekt ist zu verstehen, dass Zuwendung und die Verabreichung von Scheinmedikamenten ohne Wirkstoff sich auf den Krankheitsverlauf günstig auswirken können. Dieser wirkt selbst bei Tieren - auch wenn Homöopathen das nicht wissen und so behaupten, homöopathische "Heilerfolge" in der Tiermedizin könnten nicht auf dem Placebo-Effekt beruhen. Gleichzeitig sollte daran erinnert werden, dass nicht alle homöopathischen Präparate hochverdünnt sind und daher durchaus pharmakologische - auch schädliche - Wirkungen haben können, wie z.B. Arsen- und Quecksilberpräparate.

Der frühere Präsident der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin und Mitglied des GWUP-Wissenschaftsrates, Professor Johannes Köbberling, kritisiert die widerspruchslose Hinnahme des Unwissenschaftlichen im alltäglichen Urteilen und die Gleichgültigkeit gegenüber Täuschung und Unwahrheit als Teil des medizinischen Alltags. Köbberling: "So kann die widerstandslose Gewöhnung an das Unwissenschaftliche zur Trübung des Blicks im eigenen Bereich der wissenschaftlichen Medizin führen." Er befürchtet, dass es damit zu "einer schleichenden Verbreitung pseudowissenschaftlicher Denkstrukturen auch bei solchen Ärzten und Ärztinnen" kommt, "die nicht zu den Anhängern der Paramedizin zählen."

Nach dem heutigen Wissensstand der Physik ist Hochpotenz-Homöopathie unmöglich. Wie der Berliner Physiker Professor Dr. Martin Lambeck, Mitglied des GWUP-Wissenschaftsrates, sagt: "Sollte jedoch die´Homöopathie, die von Ulla Schmidt begrüßt und von Antje Vollmer sowie Doris Schröder-Köpf beschirmt wird, tatsächlich funktionieren, würde dies eine radikale Erweiterung der Physik erfordern." Wenn Edelgard Bulmahn mit Hilfe der ihr unterstehenden Forschungsorganisationen diese Erweiterung findet, kann sie Nobelpreise nach Deutschland bringen. Weitere Infos von Professor Lambeck zur Homöopathie siehe http://www.skeptiker.de/lambeck/physik.html und http://www.laborjournal.de.

Prof. Dr. Wallace Sampson (USA), Herausgeber der Zeitschrift "Scientific Review of Alternative Medicine": "Für rational denkende Menschen und Wissenschaftler ist es erstaunlich zu sehen, dass eine 200 Jahre alte medizinische Philosophie, die bereits vor 170 Jahren verworfen wurde, immer noch geglaubt wird und so viele Unterstützer hat. Bereits 1842 hatte Oliver Wendell Holmes Sr. - einer der damals bekanntesten Ärtzte und Medizinpprofessoren in den USA - "Homöopathie und verwandte Selbsttäuschungen" scharf und eloquent kritisiert. Die Auswertung der vorliegenden wissenschaftlichen Informationen zeigt laut Sampson: "Homöopathie funktioniert einfach nicht." Er verwirft Behauptungen über angeblich positive Resultate: "Alle 'positiven' Berichte, die wir untersucht haben, zeigen zu viele Defekte und Fehlinterpretationen." Sampson findet Homöopathie-Berichte jedoch lehrreich: "Sie zeigen, wie man Wissenschaft nicht macht."

Prof. Dr. Willem Betz (Belgien), Europäischer Experte zur Beweissituation in der Alternativmedizin: "Bislang wurde kein überzeugender Beleg dafür beigebracht, dass Homöopathie bei der Behandlung irgendeiner Krankheit oder eines Symptoms wirksam ist. Diese Aussage wurde nicht nur vom EU COST B4-Programm und den Universitäten York und Exeter (Großbritannien) getroffen, sondern auch in einem gemeinsamen Kommuniqué sieben belgischer Universitäten sowie von K. Linde, dessen Studien Homöopathen am häufigsten als Beleg für die Wirksamkeit der Homöopathie zitieren."

Zur Homöopathie sagte die französische Académie de Médicine vor etwa einem halben Jahr, Homöopathie "basiere auf Vorurteilen und habe keine Grundlage".

Die GWUP fordert angesichts der klaren Faktenlage dazu auf:
- bei der Beurteilung der Homöopathie auf den weltweit akzeptierten wissenschaftlichen Standards zu bestehen;
- die Sonderregelung für die Homöopathie, durch die eine Wirksamkeitsprüfung vor der Zulassung homöopathischer Medikamente umgangen wird, abzuschaffen.

Die GWUP sieht mit großer Sorge, dass sich Behörden und Politik dem Druck von Interessengruppen und Kommerz beugen. Die Homöopathie-Lobby will die bestehenden wissenschaftlichen Standards zur Wirksamkeitsprüfung aushöhlen und so die Homöopathie von dieser Form der objektiven Qualitätssicherung ausnehmen. Dies gilt in besonderem Maße für Deutschland. Die GWUP fordert die Gesetzgeber in Deutschland, Europa und in aller Welt dazu auf, dem Druck der Lobbyisten nicht nachzugeben. Die genannten Politiker und Prominente könnten jetzt ein erstes Zeichen für Wissenschaftlichkeit in der Medizin setzen, so Sarma: "Ziehen Sie Ihre Grußworte und Schirmherrschaften zurück!"

Quelle: e-Skeptiker, www.gwup.org

Siehe auch: Homöopathie – ist weniger manchmal mehr?




Leser-Kommentare:

: 
(22.06.2005, 21:05 Uhr)

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